Vorträge

Mittwoch, 17.05.2017 – 19.00 Uhr

Marina Münkler
Literaturwissenschaftlerin
Dresden

„Die neuen Deutschen. Die gesellschaftliche Integration von Migranten und der soziale Zusammenhalt“
Die gesellschaftliche Integration von Migranten ist ein wechselseitiger Prozess. Den Integrationsanstrengungen der Hierhergekommenen muss die Aufnahmebereitschaft unserer Gesellschaft korrelieren. Dafür muss sichtbar sein, dass Flüchtlinge von einer zeitweiligen Belastung zu einer dauerhaften Bereicherung werden können, wenn beide Seiten sich um Integration bemühen. Neben der Frage, was man den Migranten zutraut, steht damit auch die Frage im Mittelpunkt, was die deutsche Gesellschaft sich selbst zutraut und ob sie in der Lage ist, zu integrieren und zumindest einen Teil auch derjenigen für das Projekt der Integration zu gewinnen, die ihm misstrauisch und zweifelnd gegenüberstehen. Dazu bedarf es einer Analyse, woher dieses Misstrauen kommt, wodurch es geschürt wird und mit welchen Mitteln man ihm begegnen kann. Sicher ist jedenfalls, dass aus Misstrauen genährte Ablehnung der zu uns Gekommenen deren Integration nicht befördert, sondern behindert. Integration aber ist der Schlüssel zu einem angemessenen Zusammenleben.

Residenzschloss, Hans-Nadler-Saal, Taschenberg 2, 01067 Dresden

 

Donnerstag, 01.06.2017 – 19.00 Uhr

Zlatko Lagumdžija
Wirtschaftsinformatiker, ehem. Ministerpräsident von Bosnien und Herzegowina
Sarajevo

„Pluralismus und seine Feinde. Herausforderungen für Gesellschaften des Miteinanders“
Vielfalt und Pluralismus geraten zunehmend in Bedrängnis – ob durch Nationalismus oder durch Populismus. Wie aber kann das Zusammenleben in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft gelingen? Wie können unterschiedliche kulturelle Prägungen und verschiedene Formen der Lebensführung in einer Gesellschaft friedlich koexistieren, oder gar voneinander profitieren? Als ehemaliger Ministerpräsident und Außenminister von Bosnien und Herzegowina verfügt Zlatko Lagumdžija über weitreichende Erfahrungen im Umgang mit gesellschaftlichen Spannungen, aber auch mit den Chancen und Möglichkeiten, die in der politischen Gestaltung von pluralistischen Gesellschaften liegen.

TU Dresden, ALTANA Galerie im Görges-Bau, Helmholtzstraße 9, 01069 Dresden

 

Mittwoch, 14.06.2017 – 19.00 Uhr

Andreas Rödder
Historiker
Mainz

„Vom verzweifelten Versuch, den Wandel zu beherrschen: Historische Streifzüge durch die Moderne“
Seit der Mensch die Zukunft nicht mehr als Wiederkehr des Immergleichen begreift, sondern als etwas Neues erwartet, versucht er, den historischen Wandel zu beherrschen. Im 21. Jahrhundert müssen wir jedoch feststellen: was der Mensch auch tut, es schafft unvorhergesehene Konsequenzen. Marktliberalisierung führt zu Staatshaftung, Gleichstellung erzeugt neue Ungleichheiten. Und selbst das „Ende der großen Erzählung“, das die Postmoderne in den achtziger Jahren ausgerufen hatte und das durch den Zusammenbruch des Kommunismus endgültig bestätigt schien, führte zu neuen „großen Erzählungen“. Welche das waren und wie dies mit dem Populismus des Jahres 2016 zusammenhängt, ist ebenso Thema des Vortrags wie die Frage, wie Menschen seit dem 19. Jahrhundert mit technologischem Wandel umgegangen sind – und was all das mit der Erfindung des Teebeutels zu tun hat.

Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Marta-Fraenkel-Saal, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden

 

Mittwoch, 28.06. – 19.00 Uhr

Ute Frevert
Historikerin
Berlin

„Die Wiederkehr des Prangers: Scham und Beschämung in der modernen Gesellschaft“
Slut shaming, fat shaming, passenger shaming: Die Beschämung der Mitmenschen ist, vor allem im Internet, en vogue. Nicht nur Teenager, die solchen Beschämungspraktiken besonders hilflos gegenüberstehen, sehen sich an den Medienpranger gestellt. In den USA gehören shame sanctions zur Rechtspraxis, ebenso wie jede junge Frau weiß, was sich hinter dem walk of shame verbirgt. Auch hierzulande sind öffentliche Demütigungen auf dem Vormarsch – zwei Jahrhunderte nachdem man den Pranger offiziell abgeschafft hat. Was steckt hinter den gezielten Attacken auf die Menschenwürde, was bezwecken sie und wie kann man ihnen begegnen? Eine historische Spurensuche verspricht neue Einsichten in ein drängendes aktuelles Problem.

Residenzschloss, Hans-Nadler-Saal, Taschenberg 2, 01067 Dresden

 

Mi, 05.07. – 19.00 Uhr

Aiman A. Mazyek
Medienberater und Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland
Berlin / Köln

„Deutsche Muslime – immer noch fremd im eigenen Land?“
Die Rolle des Islam in und für Deutschland ist zu einem zentralen gesellschaftspolitischen Thema der Gegenwart geworden – nicht zuletzt durch die hohe Zahl der Geflüchteten, die aus muslimischen Ländern stammen. Nach aktuellen Schätzungen leben hierzulande circa vier Millionen Muslime, dies entspricht etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Welche Herausforderungen stellen sich für Muslime in Deutschland? Welche gesellschaftlichen und politischen Themen sind für sie von besonderer Relevanz und gehören vermehrt in den öffentlichen Dialog? Wie müsste ein solcher Dialog beschaffen sein, um für beide Seiten bereichernd zu wirken?

Residenzschloss, Hans-Nadler-Saal, Taschenberg 2, 01067 Dresden